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ALLGEMEINE MUSIKALISCHE ZEITUNG, LEIPZIG
REZENSIONEN UND ANKÜNDIGUNGEN
BEETHOVEN'SCHER WERKE
BERICHTE UND KOMMENTARE ZU BEETHOVEN ALS VIRTUOSE UND KOMPONIST
TEIL 1/2  (1804 - 1806)




Beethoven um 1803


Januar 1804.

Nachrichten

"Berlin, den 27sten Dec.  Noch habe ich Ihnen kein Wort von den Abonnementskonzerten gesagt ...  Die Sinfonien und Ouverturen waren von Beethoven, Chrubini (Lodoiska, Elisa) Haydn, Hemul, Mozart (Titus, Don Juan, Figaro), Reichard (Brennus), Righini (Ariane), und Winter (Tamerlan, Montalban. . . . "

No. 20 -- 13. Februar 1804.

Variations pour le Pianoforte comp. et ded. a M. le Comte Maurice Lichnowsky part L. v. Beethoven. Oeuvre 35. A Leipzic chez Breitkopf et Härtel. (Pr. 1 Thlr.)

Unerschöpfliche Einbildungskraft, originelle Laune, tiefes inniges Gefühl bis zur Leidenschaftlichkeit, sind gleichsam die einzelnen Züge, aus denen die geniale Physiognomie entstehet, die fast alle Arbeiten des Hrn. v. B. auszeichnet, und ihm, da besonders in seinen spätern Arbeiten die Sorgfalt, den einmal gewählten Charakter festzuhalten, das Freyeste mit Reinheit im Satze, und ich möchte sagen, mit kontrapunktischer Eleganz zu verbinden, unverkennbar ist -- unter den Instrumentalkomponisten des ersten Ranges einen der ersten Plätze bestimmt.

Alles das eben angeführte Eigenthümliche dieses Künstlers findet man nun in einem ganz besondern Grade an dem oben genannten Werke. Schon die Form des Ganzen, die so sehr vom Gewöhnlichen abweicht, zeigt von unverkennbarer Genialität. Ehe das eigentliche Thema -- ein Satz aus dem von ihm kompnirten Ballet: "Gli uomini di Prometeo" das auch im einzelnen Bogen bey Hoffmeister und Kühnel im Klavierauszuge erschienen ist -- anhebt, erscheint nach einem vollen Griffe der Es dur Harmonie, als Tonart des Ganzen, der einfache Bass des Thema in dreyfacher Verstärkung als Introduktion: gleich nachher als Bass mit e i n e r Melodie, dann als Mittelstimme von z w e y e n umschlungen, und englich als Oberstimme unterstützt von d r e y neuen -- mithin nun als vierstimmiger Satz. Schön und natürlich geht hier Eins aus dem Andern hervor: nur kann Rec. den Wunsch nicht unterdrücken, dass der Bass der zweyten Klausel des Thema, da, wo er zu Anfang ganz nackt erscheint, ein wenig bedeutender hätte seyn mögen, das aber freylich Hr. v. B., so licht ihm auch hier, ohne Schaden für die angezeigte schöne Behandlung, eine kleine Abänderung gewesen seyn wrde, wahrscheinlich verschmähte, um das Thema alsdann doch ganz so geben zu können, wie es einmal ein grosses Publikum im Ballet zu hören gewohnt war. Nach dieser Introduktion mit ihren allmählich immer voller angewachsenen Sätzen, tritt nun das Thema selbst kräftig hervor, und aus ihm entwickelt Hr. v. B. mit seiner bekannten Gewandtheit 15 vortreffliche Veränderungen, an die sich ein fugirtes Finale mit noch zwey sehr schönen Variationen und einem Excursus anschliesst.

Um die Recension dieses sehr bedeutenden Werkchens -- freylich nicht der Bogenzahl nach; allein wie manche Oper giebt es, über die sich überhaupt nicht halb so viel sagen lässt -- nicht zu einem Buche anwachsen zu lassen, muss sich Rec. begnügen, nur was Wichtigste anzuführen, dem einige Erinnerungen folgen sollen. -- Jeder, der mit Hr. v. B.s Arbeiten, und wre es auch nur oberflchlich, bekannt ist, wird wohl auch ohne Rec. Versicherung zum voraus überzeugt seyn, dass ihm hier weder vergrauchte Figuren, noch viel weniger dürftige Harmonien zu ihrer Begleitung geboten werden. Aber schwerlich dürfte es irgend einem Verehrer -- zu ihrer Ehre will ichs glauben, dass ihre Zahl recht gross ist -- geben, der, auch bey sehr grosser Erwartung, nicht dennoch durch die höchst genialen Figuren, Brechungen, und den Rhythmus der dritten Var., durch den unerwarteten, anspruchslosen Rckgang nach Es dur in den letzten drey Takten der sechsten Var.; und vorzüglich durch den launigen Eigensinn der zehnten vAr., höchst angenehm überrascht werden würde. Eben so ist die zwölfte Var. aus einer schönen, neuen, und wirklich bedeutenden Figure geschaffen. Aber ganz vorzüglich gelungen ist, nach REc. Menynung, das Minor Var. 14, das Largo Var. 15, und das Finale fugato. Im Minore ist erst der Bass des Themas die Oberstimme; dann, bey der Wiederholung die Unterstimme. Durch diese Umkehrung und mit Hinzufgung einer kleinen Bindung, erhalten, unter andern, die schon an sich schönen, neuen, harmonischen Fortschreitungen im 7ten Takte noch einen ganz eigenthümlichen Reiz, so wie überhapt dieses Minore durch seinen so tief erfreifend traurigen und so durchgehaltnen Charakter selbst als ein fr sich bestehndes kleines Tonstück der schönsten Wirkung gewiss seyn kann. Das Largo mit einem Schatze neueer, trefflicher Ideen wird sicher jedem, der seine ganz eigenen Schwierigkeiten so zu besiegen vermag, dass man ihrer Ausführung keine Anstrengung mehr anmerkt, einen herrlichen Genuss gewähren. Denn freylich, um nur beyläufig Eins anzuführen, das Eckige, Ungleiche der Tonanschlge vertrgt d i e s e Variation durchaus nicht. Es muss alles so leicht und gleich dahin fliessen, als wenn es Spas wäre. Es versteht sich, dass hier nur vom Mechanismus der Finger die Rede ist: dem Ausdrucke selbst mag man den Ernst immerhin anmerken. -- Spuren solider kontrapunktischer Kenntnisse, gelutert durch gebildeten Geschmack, trägt nun vorzugsweise das Finale fugato an sich; und hier ist es auch, wo sie dem Kenner, wie dem gebildeten Kunstliebhaber, die meiste Freude machen werden, weil es sie eben hier mit Recht erwarten darf. Das fugirte Bruchstück des Thema besteht nur aus den wenigen Bassnoten:

(Hier ist ein Notenbeispiel eingefügt.)

woraus aber des Komponisten unerschöpfliche Laune nicht w e n i g gemacht hat. Eine der vorgüglich glücklichen Ideen, nachdem sich das Thma bald als Mittelstimme, bald als Oberstimme, immer richtig von seinem Begleiter, oder doch wenigstens einer ihm sehr ähnlichen Figur unterstützt, gezeigt hat, dünkt Rec. (der interessanten Speile durch Drehen und Wenden der Harmonien, Umkehrungen und dergleichen nicht zu gedenken,) die Stelle, wo das Thema al rovescio erscheint. Es ist der letzt Takt des 5ten Systems auf der 17ten Seite. Auch die Folge der Gedanken bis zum Einschnitte in B, das Ende auf derselben Seite, verdient unter so vielem Auszeichnenswerthen eine Auszeichnung. Doch, hier mag es genus seyn, da das Gesagte hinreichen wird, die Neugierde aller Kenner und gebildeten Kunstliebhaber nach dem Werkchen selbst rege zu machen. Ich möchte diese Variationen unter den n e u e r n Frchten dieser Gattung die Variationen par excellence nennen. --

Nun noch einige Bemerkungen an den Komponisten.

Statt der vier ersten Takte der 2ten Klausel der 5ten Var. htte Rec. von der reichen Erfindungsgabe des Hrn. v. B. gern etwas anders gehört, da die drey Imitationen in der Oktave, wie sie h i e r erscheinen, auf einem und demselben Instrumente, sich ein wenig zu einförmig ablösen.

Der Canon in der Oktabe Var. 7 ist zwar durchaus, -- nur ein einziges mal, aber absichtlich, wird die canonische Form gegen den galanten Styl vertauscht -- streng und richtig gearbeitet, aber auch ziemlich -- s t e i f. Hr. v. B. hätte verschmähen sollen diese Künsteley, (da sie nichts weiter ist als das,) hier, in d i e s e Variationen, aufzunehmen. Was in einem Kunstwerke n u r zum Verstande spricht, ist wenigstens ein hors d'oeuvre. Und dass bey diesem Canon das Gefühl leer ausgeht, wird Hr. v. B. durch sein eigenes bestätigen müssen. -- Wenn dem verletzten Sechzehntheile im zweyten Takte des Largo in dieser langsamen Bewegung der F moll-Akkord zum Grunde läge, wäre es richtiger und zuverlässig besser. Die strenge Analogie zwischen diesem und dem vierten Tatke, wo die Oberstimme mit jener ähnlich in Terzen fortschreitet, kann das Herbe unmöglich versüssen, was in dem angeführten Takttheile so fühlbar wird. Noch mehr fällt es da auf, wo die nämliche Stelle in einer andern Brechung wiederkommt. -- Seit 20 ist Hrn. v. B. auch eine kleine Nachlässigkeit entgangen. Das letzte Achtel des zwölften Takts im Basse muss

(Ein weiteres Notenbeispiel.)

und das nächstfolgende Viertel mit dem Punkt

(Ein drittes Notenbeispiel.)

heissen. So ist die Fortschreitung S. 21 vom 5ten zum 6ten Tatke im Basse ebenfalls unrichtig; wenigstens, gelinde gesprochen, minder gut, als wenn stünde:

(Ein viertes Notenbeispiel.)

Dasselbe gilt mit einer kleinen Abänderung, wo bald darauf eine ähnliche Stelle vorkommt, welcher gleiche Harmonie zum Grunde liegt.

Denen, die diese Variationen einstudiren wollen, kann Rec., um ihren Muth zur Beharrlichkeit anzufeueren, die Versicherung ertheilen, dass, gelingt es ihnen, alle die vielen Schwierigkeiten mit Leichtigkeit zu exekutieren, jeden vorgezeichneten Ausdruck genau der Ausführung einzuverleiben, so dass er wie eben erst empfunden klingt, so wird es sicher keine Klavierkomposition geben, die sie als unausführbar führ ihre Kräfte bey Seite zu legen brauchten. Ich sage k e i n e, denn selbst für das Spiel Seb. Bachischer Fugen die Finger zu üben, wird hier Anlass genug gegeben. Kurz, wer diese Variat. genau wie geschrieben steht, ohne sichtbare Anstrengung vorträgt, gehört zu den ersten Klavierspielern. Bleibt er nun nicht blos im Ausdruck dem Komponisten treu, sondern vermag er obendrein noch von dem Seinen q u a n t u m s a t i s, und zwar vom G u t e n, G e n i a l e n hinzu zu thun: so nimmt er mit allen Ehren einen Platz unter den wahren Klaviervirtuosen ein. -- Einige Winke, in sofern sie das Einstudiren dieser Var. selbst alnagen, dürften vielleicht Manchem von einigem Nutzen seyn können. Es versteht sich, dass ich hier weder zu dem Virtuosen, noch überhaupt zum Genie spreche. Das hervorragende Talent, so wie auch die, welche nicht Klavierspieler sind noch werden wollen, mögen das Folgende überschlagen.

Bey der 5ten Variat. ist ja darauf zu sehen, dass die Hand schon einen Augenblick vor dem Anschlage des vollen Griffs über den Tasten hängt. Sonst wird daraus ein eckiges, dem sonderbaren Rhtythmus gar nicht zusagendes Spiel -- ein hier am wenigsten zu ertragendes Rücken.

Das Gelingen der 10ten Variat. wird die Beobachtung derselben Erinnerung ebenfalls erleichtern; nur muss die linke Hand vorzüglich bestimmt einsetzen und den Finger der frührern Note dem der drauf folgenden, so zu sagen, zuwerfen.  Z.B. mit dem fünften anfangen, und so abwechselnd zum 4ten  5ten 2ten überspringen. -- Die 12te Var. verlangt beyde Hände vorzüglich ruhig, und ich möchte sagen, etwas schlaff; sonst möchte das Schleifen, je zwey Sechzehntheile zusammen, schwerlich gelingen.  Jeder andere Ausdruck aber würde für diese Figur hier unpassend seyn. -- Die 13te Var. ist eine treffliche Uebung im Treffen springender Passagen, und kann vorzüglich dazu dienen, dem 2ten Finger der rechten und dem 5ten der linken Hand Festigkeit und Kraft zu geben.  Sie müssen beyde, der erste in die Vorschlagsnoten oben, der andere in die Stützungsnoten im Basse, mit rechter Energie einsetzen; dadurch erhalten auch die Hände selbst den nothwendigen Wurf in die Accorde in der Mitte. -- Ueber das Minore, da es eigentlich keine Handschwierigkeiten enthält, sage ich nichts; gebundener, der Vorschrift treuer Vortrag ist der einzige rechte, und so wird man das weiter oben Gesagte bestätigt finden.  Der 15ten Var. gehört die schon früher gemachte Bemerkung, dass die vielen Noten so locker und fliessend als nur immer möglich, und ohne alle sichtbare Mühe müssen ausgeführt werden.  Noch besonders warnt Rec. hier vor dem leider jetzt überhapt zu häufig angewendeten tempo rubato, das doch nur zu oft den Mangel des wahren Taktgefühls verhüllen soll, aber vergebens.  Das geübte Augue lässt sich durch keine Draperie täuschen.  Hier, in der 15ten Var., decken die langsame Taktart, die vielen vollgriffigen Figuren und Brechungen so schon ein wenig das Thema zu.  Gleichwohl muss dieses doch immer, so viel es syn kann, gehört werden.  Also hier  k e i n  willkührliches Wanken im Takt:  der gute Geschmack kann nicht anders, als es missbilligen.  Vom fugirten Finale gilt, was überhaupt bei allen fugirten Sätzen beobachtet werde muss:  nämlich den jedesmaligen Eintritt des Thema, besonders wenn es in der Mitte liegt, heraus zu heben, und das Charakteristische der es umschlingenden Figuren ja recht bemerkbar zu machen.  Noch macht Rec. hierbey darauf aufmerksam, dass sich die Hände einander bisweilen da abzulösen haben, wo es nicht der Richtung der Notenschwänze anzusehen ist, sondern wo blos das Bequemste entscheidet, jedoch allemal ohne im Geringsten der Geltung der Noten selbst Eintrag zu thun.  Was hier von den Händen gesagt ist, gilt von den Fingern Seite 19, System 2, Takt 2, wo der Triller, der vorher vom 2ten und 3ten Finger geschlagen wurde, nun ihne allen Absatz von dem Daumen und dem Zeigefinger fortgeführt werden muss.  Doch, hiermit mag es genug seyn.

Papier und Stich sind sehr gut; indessen einige kleine Fehler haben sich doch eingeshclichen. Z.B. Seite 12, Takt 7, muss vor ...

März 1804.  

Ueber den Zustand der Musik in Frankfurt am Mayn.

" . . . Häufiger beynache als gesunden, wird Klavier gespielt, und am meisten, Sachen von Mozart und Beethoven . . . "

May 1804.

Nachtrag zu den Konzerten.  

"...Berlin den 30ten April.  . . .  Sehr brav war ein grosses konzertirendes Sextett von Beethoven . . . "

No. 36 -- 6. Juny 1804

Sechs Lieder von Gellert, am Klavier zu singen, dem Herrn Grafen Browne (zugeeignet von ) Ludwig van Beethoven. In Bonn, bey Simrock. (Preis 19 Gr.)

Es kann nicht fehlen -- gen grössten Theilder Leser wird es nicht wenig seltsam dnken, schs Gellertsche Lieder nicht nur neu komponirt, von Hrn. B. komponiert, sondern auch ihrer eigentlichen Bestimmung enthoben, in Figuralmusik gesetzt und mehr oder weniger frey ausgeführt zu sehen. Gellerts Lieder, wird man sagen, haben ja gerade, selbst nach des frommen Dichters eigenem Geständnis, darin einen Hauptvorzug, dass die meisten den besten alten Choralmelodieen -- so gut angepasst sind, um nicht ohne Verlust davon getrennet zu werden; die andern haben wenigstens sämmtlich so etwas Kirchliches im Geist und Zuschnitt, dass man durchaus nicht freyer damit umgehen sollte, als etwa Bach gethan hat -- und was man etwa weiteres der Art hinzusetzen möchte. Das alles ist nun freylich gar nicht ohne guten Grund, so dass auch wol angenommen werden kann, es würde schwerlich ein gebildeter Musiker auf jenen Gedanken gekommen seyn, ausser in Verhältnissen, wo die fortgehende Bekanntschaft mit neuerer Literatur fast unmöglich gemacht wird. Dennoch ist das Werkchen einmal da, und das beste bleibt doch, sich an das zu halten, was und wie es nun einmal geworden ist. Es ist aber sehr gut, und verschiednes darin ist so vortrefflich geworden, dass wir einigen dieser Lieder aus der ganzen Menge der neuesten Sammlungen aller Art keine, in Absicht auf Musik an sich, und in Absicht auf Musik, als Ausdruck der in dem Ganzen der Gedichte liegenden Gefühle -- vorziehen könnten. Dieser Sinn des Ganzen, recht eigentlich das dem Musiker zugehörige Feld -- ist vom Komponisten immer richtig aufgefasst und schön wieder gegeben worden, ausgenommen wo der INhalt, (wie bey No. 2 "So Jemand spricht, ich liebe Bott" --) fast nur Lehre ist -- welches Lied gar nicht hätte gewählt werden sollen, und auch bey weitem am wenigsten gerathen ist, weshalb wir es auch nicht weiter erwähnen wollen. Aber auch der rhetorische Anthwil ist Hrn. B. fast überall geglückt: musikalische Nachbildung der Konstruktion des Gedichts im Allgemeinen und im Einzelnen, Deklamation, Accentuation u. dgl. sind richtig und angemessen: mang nun der Komponist darüber reflektirt haben, oder nur seinem Genius gefolgt seyn. Auch ist das jedem Liede angemessen Maas von Musik und Ausführung wohl getroffen -- mit Ausschluss der No. 5 "Gott ist mein Lied", welches Lied gerade die unbeträchtlichste und eine fast mager Musik erhalten hat, die doch f ü n f z e h n m a l wiederholt werden soll und zu einigen Strophen, wie 8 und 9., offenbar übel passt. Bey den vier überbleibenden aber etwas länger zu verweilen, ist uns ein wahrer Genuss.

"Gott deine Güte reicht so weit", ist, mit guter Überlegung, einfach, in der Melodie fast choralmäsig, aber mit gehendem, bedeutendem Bass geschrieben, und macht, wenn der letztere, ohne dass die Bindungen leiden, gut gehoben, und von der Singstimme das lange, feststehende #, S. 3, Z. 1, durch Crescendo und Decrescendo genug motivirt wird, den beabsichtigen Effekt. ABer von höherm Schwunge und auch weit origineller ist No. 3., "Meine Lebenszeit verstreichet", aus fis moll geschrieben. Hier wehet wirklich ein genialischer Geist und schlägt sogleich darnieder, was man etwa gegen kleine Nebendinge einwenden könnte. Man sehe, statt aller Analyse, folgende Hauptstelle: wer kann das Grosse, das, besonders durch das Treiben des allmähligen, gehaltenen aufsteigens der Melodie und hernach des Basses, noch mehr aber duch die Fülle der trefflichen Harmoniefolge und das Abmesser der Stärke der Töne, bis zum Schauerlichen gesteigert wird -- wer kann dies verkennen, oder etwas allgemeines und inbestimmteres wünschen, weil diese Musik freylich einigen Strophen nicht ganz angemessen ist?

(Notenbeispiel)

Ein treffliches Seitenstück zu diesem Liede macht das: "die Himmel rühmen des Ewigen Ehre," und wir müssten von ihm alles Vortheilhafte, was von jenem gesagt worden, nur auf den, in seinem festgehaltenen Pathos heitrern Charakter angewendet, wiederholen, wenn es bey etwas so in sich selbst vllendeten mehr bedürfte, als dass man darauf aufmerksam macht. Wer durch Musik, wie vornehmlich von der Stelle an: Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne -- bis zu Ende, nicht bewegt wird, der wird schwerlich durch seine Musik, ausser etwa durch Trompeten, Pauken und grosse Trommel -- bewegt werden. Von No. 6 endlich, hat jede Strophe ihre eigene Musik gekommen, doch so, dass der Komponist imit vieler Sorfgalt und festem Blick, Griff und Takt, die Hauptideen der Melodie, in andern Bezihungen, wo es gut ist, wiederbringt. Wo nun aber dies wehmüthige Busslied (An dir allein hab' ich gesündigt) in vertrauensvollere, sanftere Bitte übergeht, (Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen) und das gebeugte Herz sich beruhigenden Bildern und erquickenden Gefühlen zu überlassen wagt: da geht der Komponist in Dur, und, nach sehr gut einleitendem und vorbereitendem Vorspiel, in eine neue Musik über, die immer heiterer wird durch das reiche und figurirte Accompagnement, dem man zwar weniger von dem gewöhnlichen Zuschnitt der Klaviervariationen wünschen wird, das aber, cum grano salis vorgetragen, den Sinn und auch das Kostüme des Ganzen nicht geradezu verletzt, sod dass Einem beym Schluss wenigstens Etwas von dem, durch den Dichter beabsichtigten Eindruck bleibt.

Stich, Papier und die ganze Einrichtung des Aeussern dieses schäzbaren Werkchens sind sehr gut.

September 1804.

"Die Sommermusiken in unserm Aufgarten-Saale haben für dieses Jahr mit z w e y Abonnements geendet.  Die aufgeführten Stücke waren grösstentheils sehr gewählt, und wurden mit Fleiss, Präzision und Feuer vorgetragen, obgleich die Gelsellschaft beynahe ganz aus Dilletanten besteht.  Die Sinfonien waren von Haydn, Mozart, Beethoven und Eberl.  Am besten gefielen die Mozartschen aus C dur und G moll, dann die Beethovensche aus D und die Eberl'sche aus Es.  . . .  Beethovens Schüler, Hr. Riese, gefiel mit einem Klavierkonzerte von seinem Meister (C moll), welches sehr schön gearbeitet und instrumentirt ist, aber einen ernsten Charakter hat. . . . "

December 1804.

Fortgesetzte detailirte Nachricht über die Konzerte in Berlin

"...Das Dritte, vom 15ten Nov., begann mit der hier, in den vorjährigen Konzerten mit so vielem und verdientem Beyfall aufgenommenen vortrefflichen Sinfonie von Beethoven aus C dur.   ... Gedachte grosse Sinfonie, dieses so herrliche, klare, harmonireich und doch nicht bizarr gesetzte Meisterstück B.s im Genre der neuesten grossen Instrumentalkomposition, wurde durchaus mit Eneergie und Geschmack executirt.  Wie prächtig wogte das erste Allegro in den Stürmen der Emfpindung und aller Affekte hin und her!  wie angenehm beruhigte das Quasi - Allegretto die aufgeregten Sinne!  Wie unübertrefflich schön trugen die Blasinstrumente den Gesang im Trio der Menuett vor, indem die Violinen die fortgehenden Bewegungen vollkommen gleich ausführten!  -- Nicht ganz war dies beym Anfang des Finale der Fall, der allerdings sehr schwierig bey so starkter Besetzung ist, wo die genaueste Gleichheit im Strich und Ausdruck erfordert wird!  Das Ganze aber war vortrefflich. ---"

Januar 1805.

"München, den 9. Dec.  Unsere musikalischen Winterunterhaltungen haben vorige Woche mit dem dritten Liebhaberkonzert des dritten Jahrgangs begonnen, in welchem aufgeführt wurde -- :  in der ersten Abtheilung, eine Ouvertüre von  B e e t h o v e n aus C dur (nicht das beste, was er geliefert hat) ... " 

No. 28 -- 10. April 1805

Grand Concerto pour le Pianoforte avec accompagnement de 2 Violons, Alto, 2 Flutes, 2 Hautbois, 2 Clarinettes, 2 Cors, 2 Bassons, 2 Trompettes et Timbales, Violoncello et Basse, compose et dedie a son Altesse Royale Monseigneur le Prince Louis Ferdinand de Prusse, par Louis van Beethoven.  Oeuvre 37.  A Vienne au Bureau d'Arts et d'Industrie. (Pr. 4 Fl. 30 Xr.)

Gegenwärtiges grosse Konzert gehört zu den bedeutendsten Werken, die seit einigen Jahren von diesem genialen Meister erschienen sind, und dürfte sich von macner Seite sogar von ihnen allen, und zu seinem Vortheile, auszeichnen.  Wenigstens findet Rec. in keinem seiner neuesten originellen Werke, neben einer solchen Summe schöner und edler Ideen, eine so gründliche und doch nicht ins Schwülstige oder Allzugesuchte übergehende Ausführung, einen so festgehaltenen Charakter ohne Ausschweifung, und, in Absicht auf Arbeit, eine solche Einheit.  Ueberall, woe es  g u t  ausgeführt werden kann, wird und    m u s s   es von der größten und schönsten Wirkung seyn, selbst wo man -- wie in Leipzig -- die grössern Mozartschen Konzerte gut zu hören gewohnt ist und mit gerechter Vorliebe betrachtet, wird dies der Fall seyn, und ist es schon gewesen.  Darüber ist denn auch schon früher -- vornehmlich von Wien aus, und aus Leipzig von der Redakt. dieser Z. selbst -- öfters und ausführlich gesprochen worden.  Indem nun die Redakt. mir, dem Musiker, die weitere Beurtheilung deses Werks aufträgt, hat sie ohnstreitig die wohlerwogene Absicht, dass nun auch näher in den artistischen und technischen Theil desselben eingegangen werde; und ich -- wie Jedermann -- muss dies zu löblich finden, als dass ich nicht in diese Absicht eingehen, und, so viel ich vermag, zu deren Erreichung beytragen sollte.  Ich wiederhole also nur nochmals mit zwey Zeilen:  dies Konzert ist in Absicht auf Geist und Effekt eines der vorzüglichsten unter   a l l e n, die nur jemals geschrieben worden sind, und versuche nun aus dem Werke selbst zu  erklären, woher dieser Effekt komme, in wiefern derselbe durch die Materie und deren Konstruktion erreicht wird.

Den ersten Satz, ein Allegro con brio in C moll, fangen die Saiteninstrumente mit diesem Gedanken im Unisono an, welcher dann von Hoboen, Fagotten und Hörnern auf der zum Grunde liegenden Dominante wiederholt wird:

(Notenbeispiel)

fast durch den ganzen Satz, oft sehr unerwartet, angebracht, und dadurch das Heterogenste einander genhert, zusammengehalten und verschmolzen. Alle die verschiedenen Stellen, wo das Letztere mit vielem Glck geschehen ist, können hier nicht angeführt werden: es mögen nur einige die Behauptung belegen, und die Art und Weise der Behandlung vor Augen stellen!

(Umfangreiches Notenbeispiel)

Einer weitern Auseinandersetzung bedarf das so wenig, als einer Hindeutung auf die Wirkung, die dadurch bey dem Aufmersamen hervorgebracht wird. Aber nur noch einer solchen Stelle will ich aus diesem Satze gedenken, da sie auch in anderer Absicht so vorzüglich ist!

Nach der Kadenz macht B. einen Trugschluss, (inganno) trifft vom Dominantensptimenakkord in den Terzwuartenakkord des kleinen Septimenakkords von e, und lässt nun das Pianoforte bis zum völligen Schluss noch fort konzertiren. Der Effekt dieses Schlusses ist an sich schon sehr überraschend und dem Geist ungemein angenehm spannend; er wird es aber noch mehr, durch die treffliche Wahl und Behandlung der Instrumente -- die durch das ganze Werk gehet, aber sich hier schon durch eine Kleinigkeit belegen lsst. Ich meyne die Stelle, gleich in den ersten Takten nach der Kadenz, wo die P a u k e n jene wenigen, aber bedeutenden, und hier um so nachdrücklichern Noten, während des Solos des Pianoforte, hören lassen.

(Wieder ein umfangreiches Notenbeispiel.)

Ein Hauptmittel, die beabsichtigte Wirkung in solch einem Werke zu erreichen, ist ferner die zweckmässige V o r b e r e i t u n g und allmählige Hinüberleitung des Zuhörers zu dem Höchsten und Entscheidendsten. Hierzu dienen nun vornehmlich die Tuttis, wenn sie, theils im Charakter des Ganzen abgefasst sind, theils aber auch die in der Folge vorkommenden Hauptgedanken schon andeuten, und zwar jenem Charakter gems andeuten, ohne jedoch den Solos, und der tiefer eingehenden Ausführung whrend derselben und durch dieselben, ihr Hervorstechendes und PIkantes im voraus wegzunehmen. Auch dieses Mittels hat sich B. hier meisterhaft bedient; die Hauptideen des Ganzen sind in den Ritornells -- wie es hier seyn musste -- einfach, aber krftig angegeben, und scheinen sich aus dieser einfachen Andeutung überall nur wie von selbst zu entwickeln. Hiervon lassen sich keine Beyspiele anführen, eben weil das Ganze Beleg und Beyspiel ist.

Ein anderes, besonders bey einem so langen und weitausgeführten Musikstück nothwendiges Hülfsmittel, die Aufmerksamkeit der Zuhörer immer von enuem anzuregen und zu spannen, sind Ausweichungen in entfernt liegende Tonarten. Sie sind Würze -- aber eben deswegen nur selten und für das Vorzüglichste anzuwenden; weil sonst, wie in den meisten der enuesten Kompositionen geschieht, diese starken Portionen der Würze einen U e b e r r e i z hervorbringen, der, statt seinen Zweck zu erreichen, Ermattung hervorbringt. B., der sich sonst dieses Fehlers wol auch zuweilen schuldig macht, hat ihn in diesem Konzert glücklich vermieden; er giebt dergleichen Ausweichungen, aber selten, und wo er sie giebt, sind sie am rechten Orte, und eben darum von gehöriger Wirkung. Eine solche Stelle will ich ebenfalls hierher setzen, obschon sie ihr Bezeichnendes erst im Zusammenhange erhält.

(Wieder ein umfangreiches Notenbeispiel.)

Dies ist gewiss eins der ausdruckvollesten und empfindungsreichsten Instrumentalstcke, die jemals geschrieben worden sind, und wo es, vom Konzertpsieler und dem ganzen Orchester sehr gut vorgetragen, (was aber hier nicht wenig sagen will) keine Sensation macht, kann es n u r an dem Auditorium liegen. Man kann es den Versuch eines bis in die feinsten Näanzen ausgemalten Bildes der Wehmuth einer edlen Seele nennen; und darum scheint es nur (eben so wie die Tonart, e dur gegen c moll) schneidend zu kontrastiren, und ist vielmehr nur ein, in der Natur der Seele vollkommen begründeter Wechsel. Dieser Satz ist aber aus so sehr vielen, und doch vortrefflich verbundnen Details gewebt, dass ich nicht sehe, wie sich fr meinen Zweck etwas ausheben liesse, das nicht entweder Bogen füllete oder gar zu sehr entstellet wrde. Ich merke darum nur Eins an: B. hat hier mehr, als von frühern Komponisten für das Pianof. irgend einer, alle Mittel, die dies Instrument zum Ausdruck sanfter Gefühle besitzt, ins Spel gesetzt; und denen, die aus altem Glauben -- etwa an Bachsche, Schwanbergersche und dergleichen Klavierkonzerte -- immer noch einander nachsagen, es fehle dem Pianoforte denn doch an zarterm Ausdruck, ist das gehörige Vorspielen dieses Stückes wenigstens eine eben so vollstndige Widerlegung, als das Gehen jenes Philosophen eine Widerlegung der Zweifel seines Kollegen war, der die Bewegung leugnete.

Indem der Komponist seinem Instinkt nachging, der ihn auch ganz richtig leitete, liess er auf dies Largo ein, wahrhaft leidenschaftliches Finale folgen, das, in Absicht aus Ausarbeitung, dem ersten Allegro vollkommen gleich zu achten ist.  Gleich der Anfang des Thema:

(Kleines Notenbeispiel.)

wo der Akkord der Dominante zum Grunde liegt und in die kleine None geschritten wird, ist das Rechte ankündigend und bezeichnend, und sehr originell. Die Aufhaltung des ersten völligen Schlusses in die Tonika durch zwey und dreyssig Takte reizt und spannet immer höher, und fesselt den Zuhörer unwiderstehlich. Ein Gleiches bewirkt B. ganz vollkommen, unter andern, auch in den Stellen, wo er wieder in das Thema einleitet, und dann gewöhnlich durch die chromatische Tonleiter eine oder mehrere Oktaven hindurch bis zur kleinen 7 oder 9 aufsteigt, den Zuhörer aber noch nicht zur Beruhigung kommen lässt, sondern ihn in Spannung erhält, bis das Thema völlig zu Ende ist.

Diese Spannung könnte aber am Ende zu weit gehen und dann würde sie Ueberdruss und widrige Gefühle erregen, -- wie das wirklich bey einigen andern der neuesten Komponisten, die ihre eigenen guten Ideen bis zum Tode ausführen, der Fall ist -- wenn nicht B. zu rechter Zeit -- wenigstens zu hoher Zeit -- sich der Milderungsmittel bedienete. Hierher gehöreten die Ausweichungen in die harte Tonart, die h i e r sehr klüglich aufgespart und darum von sehr schöner Wirkung sind; aber noch eigener, und vortrefflich wieder auf den verlassnen Weg einlenkend sind die Stellen, wo der Komponist das Thema in dur anfngt, mit dem 5ten Takte aber wieder durch die kleine None in moll übergeht -- und dann, wo er in As dur tritt, und die Klarinette dem Pianoforte die Melodie, die dieses nachher in der linken Hand mit Setolen in gebrochenen Akkorden wiederholt, wie freundlich einladend, erst vorspielt. Am Schluss dieses Perioden in As dur, überrascht der Komponist den Kenner, wie den Liebhaber, dadurch angenehm, dass er das Thema seines Finale's von den Saiteninstrumenten pianissimo fugiren lässt, und dann, da er wieder nach c moll einleitet, von der Dominante G, statt nach C zu gehn, in die kleine Obersekunde as schreitet, dieses as dann von dem Pianoforte aufnehmen und abwechselnd in beyden Hnden anschlagen lässt, und durch eine Verwechselung des Klangeschlechts, wo es aus dem as gis wird, nach E (Symbol) modulirt.

(Notenbeispiel.)

Da, wo die Modulation wieder nach C moll geht, legt B. die ersten drey Noten des Thema in die Begleitung, und lässt das Pianoforte dazwischen durch den verminderten 7-Akkord arpeggirend eintreten, welches, da die Saiteninstrument ganz schwach in Achteln fortgehn, einen tiefen, seltsamen Eindruck macht.

(Notenbeispiel.)

Den völligen Schluss dieses Satzes macht ein Presto, 6/8 Takt in c (Symbol) dessen Thema aus dem vorhergehenden genommen ist:

(Notenbeispiel)

und das Ganze eben so interessant schliesst, als es angefangen hat, aber etwas ruhiger und freundlicher, wie es denn auch Recht ist. Ich beschliesse hermit diese Anzeite, die nur für diejenigen geschrieben ist, die bey ihrem Genusse auch denken, oder die das Werk selbst studiren wollen. Diese, besonders die Letztern, werden nun freylich wol auch kleine Mngel -- aber deren gewiss wenige -- entdecken: eben darum kann ich mir ersparen, sie aufzuzählen, was mir bey einem s o l c h e n Produkt, wo das Vorzügliche so unendlich überwiegend ist, sehr herbe ankommen würde.

Das Konzert verlangt ein Orchester, das viel vermag, das beste will, und, um es auch wirklich zu leisten, verstehet, was es spielt; und einen tchtigen Solospieler, der bey alle dem, was man gewöhnlich Virtuosität nennet, auch Kenntnisse im Kopfe und ein Herz im Busen hat -- sonst wird, auch bey der ausgezeichnetsten Fertigkeit und Sicherheit, gerade das Vorzüglichste zurckbleiben. Ein solcher w a h r e r Virtuos kann aber auch durch dies Konzert glänzen; denn so reich es besetzt und durch alle Instrumente ausgeführt ist, so hervorstechend und dankbar ist doch die Konzertstimme. Der Komponist ist übrigens -- was ebenfalls zu loben ist -- allem willkürlichen Verschnörkeln dadurch zuvorgekommen, dass er, was wirklich verzieren kann, sehr genau und sorgfältig ausgeschrieben hat. Wer nur Noten spielt, dem wird dadurch zwar manche Stelle ungeheuer schwer vorkommen; aber, wie gesagt, für den ist dies Werk auch nicht.

Der Stich hat nur wenig Fehler. Sie sind also zu verbessern: Klavierstimme S. 8 im Diskantsystem Takt 5, muss vor dem d ein b stehen; Seite 16 muss die erste Note des letzten Diskantsystem nicht f sondern d heissen; Seite 19, Takt 5, müssen alle Noten einmal mehr gestrichen werden. In der Bassstimme muss zu Anfang des Largo statt 3/4, 3/5 stehn, und Seit 5, Z. 3, Takt 1, müssen die beyden 16theile nicht H, A, sondern cis, H heissen. In der ersten Hoboe, Seite 2, Zeile 10, Takt 1, muss die zweyte Note ein punktirtes Viertel, und die 5te eine 8telnote seyn.

No. 30 -- 24. April 1805.

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"Leipzig. ... Das wöchentliche Konzert im Gewandhause gab folgende der Auszeichnung werthe Instrumentalmusik.  Auser den Wiederholungen vorzüglicher Haydnscher, Mozartscher und Beethovenscher   S i n f o n i e e n -- von denen vornehmlich die Haydnschen aus Es dur, die mit dem Paukenwirbel anfängt, und den Beethovenschen aus D dur, vollkommen gelang -- hörten wir folgende neue. -- ...  Von  K o n z e r t e n   zeichneten sich vornehmlich folgende aus.  Das neueste Beethovensche aus C moll, das nach dem Wunsche aller, die es einige Monate früher gehört hatten, von Mad. Müller wiederholt, und wieder meisterhaft vorgetragen wurde.  Ueber das Konzert selbst ist bey seinem ersten Erscheinen von uns gesprochen worden; das Publikum bezeigte auch diesmal die lebhafteste Theilnahme. ... "

Juny 1805.

Nachrichten

" . . .  Hr. Simrock von Bonn brachte eine, in seinem Verlag so eben erschienene, Sonate fürs Klavier mit obligater Violin von Beethoven zur jetzigen Messe, die gewiss zu den bedeutendsten Werken dieses genialischen Komponisten gehört, und ich mache das Publikum im ovraus darauf aufmerksam.  Sie ist dem berühmten Kreuzer in Paris dedicirt, und verlangt zur Ausführung zwey Künstler, die ihrer Instrumente ganz mächtig sind und sie mit Sinn und Gefühl zu behandeln verstehen.  Man findet da nicht willkürliches Geräusch mit Tönen, sondern man glaubt ein eindringliches, fest fortgeführtes Gespräch zu venrhemen, das unsere Einbildung und Empfindung in Bewegung setzt und unterhält, und bekömmt dadurch einen neuen Beweis von dem Genie, von der Kunstbildung, und dem beharrlichen Fleisse des originellen Verfassers."

August 1805.

1) Sonata per il Pianoforte ed un Violino obligato, scritta in uno stile molto concertante, quasi come d'un concerto, composta e dedicata al suo amico R. Kreuzer --- --- per Luis van Beethoven.  Op. 47.  A Bonn, chez Simrock, (Pr. 6 Franken.)

2) Grand Trio pour le Pianoforte avec l'accompl de la Clarinette ou Violon et Violoncelle concertans, d/apres le Septetto --- --- Op. 20., compose par Louis van Beethoven, arrange par lui-meme et dedie a Msr. Jean Ad. Schmidt --- --- Op. 38.  A Vienne, au Bureau d'arts et d'industrie. (Pr. 5 Fl. 30 Xr.)

3) Acht Lieder mit Begleitung des Klaviers, gesetzt von Louis van Beethoven. Op. 52.  Wien, im Kunst- und Industrie-Comptoir. (Pr. 1 Fl. 50 Xr.)

1.  Der Zusatz auf dem Titel: scritta -- concerto, scheint wunderlich, anmassend und prahlerisch; er sagt aber die Wahrheit, dient statt einer Vorrede, und bestimmt das Publikum so ziemlich, für welches dies seltsame Werk seyn kann.  Dies   s e l t s a m e   Werk, sag' ich:  denn seltsam ist es in der That; und, genau genommen, haben wir noch nichts der Art --- oder vielmehr, noch nichts, das die Gränzen dieser Art so weit ausdehnte und dann auch wirklich so ausfüllete.  Wie?  das ist die andere Frage.  Rec. glaubt, nach genauer Bekanntschaft mit dieser Komposition:  man muss seine Kunstlieber nur auf einen gewissen Kreis des Gewöhnlichern eingeschränkt haben oder sehr gegen Beethoven eingenommen seyn, wenn man dieses weit und breit ausgeführte Musikstück nicht als einen neuen Beweis anerkennet von des Künstlers grossem Genie, seiner legendigen, oft glühenden Phantasie, und seiner ausgebreiteten Kenntniss der tiefern harmonischen Kunst; aber auch, man muss von einer Art des ästhetischen oder artistischen Terrorismus befangen oder für Beethoven bis zur Verblendung gewonnen seyn, wenn man in diesem Werke nicht einen neuen, offenbaren Beleg davon findet, dass sich dieser Künstler seit einiger Zeit nun einmal kaprizire, mit den trefflichsten Gaben der Natur und seines Fleisses nicht bloss aufs willkührlichste zu schalten, sondern vor allen Dingen nur immer ganz anders zu seyn, wie andere Leute; dass er mithin sein grosses Vermögen nicht nur gewaltsam in das Blaue hinaustreibe --- was zwar Ungeheuer hervorbringen könnte, aber immer bewundernswürdige, -- sondern sich sogleich ein irdisches Ziel, deutlich oder nicht, vorhalte, wobey weder seine Werke gewinnen können, noch die Welt, noch er selbst.

Unter die Erzeugnisse dieser Laune des genialischen Mannes gehört also auch diese Sonate.  Ihr inneres Wesen zu entwickeln und es wörtlich bestimmt zu charakterisiren, ist mir unmöglich, und er it mihi magnus Apollo, der das befriedigend vermag, und wirklich leistet.  Ich habe, mit der Achtung, die man diesem Komponisten und in der That auch diesem seinem Werke schuldig ist, versucht, den Ideengang nur einigermassen genügend in Umrissen anschaulich zu machen, habe einen Bogen voll, nur über das erste Presto, geschrieben:  aber ich verschone die Leser der mus.Z. damit --- Es muss zu finden seyn, woher? und wohin?  wenn ein Weg beschrieben werden soll.  Es habe demnach mit der allgemeinen Anzeige sein Bewenden:  wenn zwey Virtuosen, denen nichts mehr schwer ist, die dabey so viel Geist und Kenntnisse besitzen, dass sie, wenn die Uebung hinzukäme, allenfalls selbst dergleichen Werke schreiben könnten, und die eben wegen dieses oben über dem Ganzen schwebenden Geistes durch die wunderlichsten Auswüchse im Einzelnen nicht gestört werden--: wenn sich diese zusammenfinden, sich in das Werk einstudiren, (denn das müssten auch   s i e;) wenn sie nun die Stunde abwarten, wo man auch das Groteskeste geniessen kann und mag, vorausgesetzt, dass es mit Geist gemacht ist, und wenn sie es nun in dieser Stunde vortragen: so werden sie einen vollen, reichen Genuss davon haben.  Die Sonate bestehet übrigens, nach zwey Zeilen Einleitung, aus einem affektvollen Presto, dessen Klavierstimme allein zwölft enggestochene Seiten füllet; aus einem originellen, schönen Andante, mit vier höchst wunderlichen Variationen, und dann wieder aus einem Presto, dem bizarresten Satze von allen. -- Das Werk ist sehr schön gestochen.

2,  Hat erst eine französische Dedikation, die durch die -- eigene Wendung bemerkenswerth wird, dass der Komponist darin sagt, er übergebe seinem Gönner gerade diese Werk, weil es leicht auszuführen sey.  Die Komposition selbst ist bekanntlich eine der schönsten, wenigstens eine der angenehmsten und freundlichsten dieses Meisters, und aus jener Zeit, wo er sich noch nicht jenes besondere Ziel vorsteckte.  Die neue Einrichtung ist, wie sich's von dem Verf. von selbst versteht, sehr gut.  Die Violinstimme ist, wie sichs ebenfalls versteht, eine andere, als die der Klarinette.  Wenn man mit beyden Instrumenten wechselt, kann man das Trio desto öfter mit Vergnügen geniessen, denn es kommen einige angenehme Lichter mehr in das interessante Gemälde.  Doch nimmt sich, nach des Rec. Gefühl, die Klarinette -- vorausgesetzt, dass sie sehr gut gespielt wird -- am vorzüglichsten aus.  Das Ganze gehet hervor, wie ein Original, und fast so gut, als auf den sieben Instrumenten.  Die Ausführung der Klavierstime ist, für Beethovensche Musik, wirklich sehr leicht.  Der Stich ist nicht ganz korrekt; die Verbesserung der Fehler findet sich aber leicht und bedarf darum keiner Angabe.  

von diesem ausgezeichneten, selbst in seinen Verirrungen oft bewunderungswürdigen Künstler waren nun auch

No. 3, diese acht Lieder? Ist das möglich?  Es muss doch wol, da es wirklich ist!  Wenigstens stehet sein Name gross auf dem Titel gestochen, der Verleger ist angegeben, die Lieder sind in Wien, dem Wohnorte des Komp. herausgekommen; sie führen sogar die Nummer seines neuesten Werks --- --- Gefreif' es, wer es kann,dass von solch einem Manne etwas so durchaus Gemeines, Armes, Mattes, zum Theil sogar Lächerliches -- nicht nur kommen kann, sondern sogar ins Publikum gebracht werden mag!  Nur das erste dieser Lieder ist, durch einen Anstrich vom Komischen, und das siebente durch etwas Nationales, das man aber jedem Murmelthirjungen ablernen kann, leidlich.  Man kann's nicht glauben?  Ganz recht!  aber hier sehe man -- nicht das schlechteste, nur eins der kürzesten, und man   m u s s !  Will man die folgende Komp. aber   g a n z   geniessen, so lege man, wie sichs gehört, auch die andern Strophen des bekannten trefflichen Textes under -- z.B. gleich die vierte!

(Notenbeispiel)

 

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